Samstag, 31. März 2018

Osterspecial – Die Kreuzigung war vermutlich doch nicht die beste Idee

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Eigentlich schien der Aufruhr in Jerusalem gelöst. Der Unruhestifter wurde zur Hinrichtung fortgebracht und die Angelegenheit so geklärt. Aber dann verliefen die Dinge anders als sonst:

Hinrichtungen und Kreuzigungen sind im römischen Reich mehr oder weniger an der Tagesordnung und nicht zwangsläufig mit Aufregung verbunden. Auch Hinrichtungen von Personen mit hohem öffentlichen Interesse kommen mitunter vor. Im Normalfall passiert auch da nichts Außergewöhnliches. Die Leute verfolgen das Spektakel, es kommt zu Schmähungen, Spott und vielleicht ein paar Rangeleien am Rande. Aber mit der Zeit oder spätestens mit dem Tod des Verurteilten verfliegt das Interesse und der Alltag kehrt zurück.
An der Kreuzigung des Jesus aus Nazareth war aber etwas anders. Gestern Mittag, zu der Zeit als sie ihn schon ans Kreuz geschlagen hatten, war ich im Haus des Pilatus in der Stadt. Ich hatte mit der ganzen Sache auch schon mehr oder weniger abgeschlossen, als es plötzlich dunkel wurde. Nicht eine-Wolke-schiebt-sich-vor-die-Sonne-dunkel, auch nicht schlimmes-Unwetter-mit-Blitz-und-Donner-dunkel. Es wurde Finsternis. Wie in der Nacht. Und das mitten am Tag.
Daraus folgte natürlich einige Aufregung. Alle stolperten mehr oder weniger hin und her und versuchten sich zu organisieren, die normalen Beschäftigungen kamen zum Erliegen. Alle sammelten sich irgendwo und warteten und hofften, dass die Finsternis bald vorüber geht. Es war wirklich unheimlich.
So verging eine Stunde, es verging eine zweite Stunde, es verging eine dritte Stunde. Nach drei Stunden waren die meisten nervlich ziemlich am Ende, doch dann ging es erst los. Es gab ein Erdbeben, wie ich noch keines erlebt habe. Ich dachte, ich muss sterben.
Danach war es zwar vorbei und es wurde auch wieder hell, aber die bedrohlichen Gedanken blieben. Ein offensichtlich Unschuldiger, der von sich selbst behauptet hatte, er sei Sohn eines Gottes, wird zum Tod verurteilt und hingerichtet. Und am gleichen Tag bricht so eine außergewöhnliche Naturkatastrophe über uns herein. Das kann doch kein Zufall sein.
Man sagt zwar, dass Jesus jetzt tot und begraben ist, aber wer weiß, was trotzdem noch alles kommt? Ich habe von einem zerrissenen Vorhang im Tempel gehört, der das religiöse Weltbild der Juden gewaltig ins Wanken gebracht hat. Und von offenen Gräbern. Schaurig.
Ich hatte gehofft, dass ein guter Schlaf in der Nacht dieses Unwohlsein vertreibt, aber ich habe auch heute noch ein ungutes Gefühl.
Wenn Pilatus, die Hohen Priester und das ganze Volk mit dieser Hinrichtung mal nicht einen riesigen Fehler gemacht haben.

Fortsetzung folgt…

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