Donnerstag, 4. Mai 2017

Thema des Monats - Kirche heute

René Böckle liebt Musik, Menschen und Events.
Er lebt in Stuttgart, ist dort als Jugendreferent für die Evangelische Jugend Stuttgart tätig. Nebenberuflich ist er seit 2013 als DJ FAITH unterwegs. Mit einem Mix aus christlichen und säkularen Songs gespickt mit Impulsen zum Nachdenken begeistert er deutschlandweit. „Ich liebe es, junge Menschen zum Tanzen, Springen und Feiern zu bringen. Aber Leben ist mehr als Party. Darum genieße ich es, die Gäste einer Veranstaltungen mit kurzen Impulsen in meinen Sets zu überraschen. Die Lebenswelt der Menschen wahrzunehmen und nachzufühlen und hierdurch Lebensbegleiter sein zu können in einem erfüllten Leben mit Gott ist meine Passion. Denn wir haben jeden Grund beziehungsweise den besten Grund zu feiern. Ein Leben mit Gott.“
Auf diesem beruflichen und auch im privaten Hintergrund ist das Thema Kirche heute immer präsent. Folgend seine Gedanken hierzu:


Volle Kirchenräume – Menschen die singen, tanzen, lachen, leben – jung und alt gemeinsam, tief im Glauben verbunden und vereint.
Eine Wunschvorstellung? Oder nicht viel mehr ein Ziel, dass es zu erstreben gilt?

In meiner Arbeit als Jugendreferent erlebe ich leider immer wieder Gottesdiensträume, die nur mit wenigen Besucherinnen und Besuchern besetzt sind. Ja, für diejenigen, die kommen, ist das vielleicht genau das Angebot, das sie suchen und das ihnen gut tut. Aber es drängt sich mir doch die Frage auf, wo all diejenigen sind, die wir nicht erreichen. Und warum wir sie mit unserem Angebot Kirche, unserer Botschaft nicht erreichen.
Als Kontrast an dieser Stelle bietet sich das Bild dass ich erlebe, wenn ich als DJ auf christlichen und kirchlichen Veranstaltungen unterwegs bin. Volle Räume, Menschen jeglichen Alters die begeistert tanzen, mitsingen, feiern. Natürlich ist das an dieser Stelle ein unfairer Vergleich, da es ja bei einer Party ums feiern und das Event geht. Und doch zeigt sich in diesem Moment, dass sich auch im kirchlichen Kontext Räume (mit Leben) füllen und Jugendliche sich begeistern lassen.

Muss Kirche also ein Event werden? Eine große Show mit vielen Effekten?
Ich beobachte, dass wir als Kirche* große attraktive Konkurrenz bekommen haben. Und der Mehrwert von einem Leben mit Gott und mit der Kirche für viele Menschen nicht mehr erkennbar und nachvollziehbar scheint.

*“Wir als Kirche“ – ich spreche an dieser Stelle von der württembergischen Landeskirche, wie ich sie erlebe. Jedoch finde ich, dass nicht mehr von der einen Kirche gesprochen werden kann. Die Glaubens- und Kirchenlandschaft hat sich vielfältig und kreativ verändert. Viele junge und lebendige Gemeinden gestalten unsere Gesellschaft. Somit führt der Titel des Artikels in die Schwierigkeit, eine Kirche zu beschreiben, die es in der ursprünglichen Form nicht mehr gibt. Auch muss meiner Meinung nach zwischen Kirche als Institution und der gelebten Religion getrennt werden. Allzu oft werden diese beiden Bereiche jedoch von der Gesellschaft als eines verstanden. Denn für das Reden mit Gott und für das Ausleben meiner Religion benötige ich im ersten Moment keine Kirche. Jedoch kann und soll mir Kirche Heimat geben, Gemeinschaft stiften und soziale, gesellschaftliche Aufgaben übernehmen.  Es geht um einen gelebten und lebendigen Glauben der in der Gemeinschaft Kirche Heimat findet. Und Kirche ist dabei mehr als der Sonntagmorgengottesdienst. Kirche ist für mich die Gemeinschaft aller Gläubigen, die in einem Miteinander ihr Leben mit Gott und füreinander gestalten. Sie geben mit ihrem Leben den Menschen, die bisher kein Leben mit Gott führen einen Ausblick, ein Beispiel für ein Leben mit Gott.

Wenn ich mir also selbst die Frage stelle, wie Kirche heute sein soll beziehungsweise was sie leisten sollte, so fallen mir folgende Thesen ein:

> Kirche soll und muss anziehend und spannend für Menschen jeglichen Alters sein.
> Kirche muss sich mit den aktuellen Problemen der Gesellschaft und der Welt befassen
> Kirche soll und kann im Gottesdienst als ein Angebot der Kirche ein Beispiel dafür geben, wie lebendiger Glaube, wie ein Leben mit Gott aussehen kann
> Kirche muss lebendig sein
> Kirche muss sich in der Gesellschaft bewegen, darin aktiv vorkommen und im Gespräch sein
> Kirche soll sich in die Gesellschaft und das Weltgeschehen einmischen und den Mund aufmachen, auch wenn es mal unangenehm ist.
> Kirche soll Lebensbegleiter sein, der den Menschen als Gegenüber ernst nimmt.
> Unsere Kirche soll Menschen beteiligen, ihre Gedanken, Wünsche und ihr Engagement ernst nehmen und sie in der Arbeit einbinden. In besonderer Weise gilt es meines Erachtens zu hören, was sich die Kinder, Jugendliche, jungen Erwachsenen, wünschen, denn sie sind die Kirche von Morgen. Ihnen schon heute Heimat zu bieten mit ihren Lebensbelangen finde ich unabdingbar.
> Es gilt als Kirche auf die Menschen jeglichen Alters der Gesellschaft zuzugehen und nicht die Menschen auf die Kirche.

Ich sage, es beginnt bei mir. Kirche ist, was ich daraus mache. Daher gilt jeglicher Anspruch, den ich vorhergehend genannt habe auch für mich selbst in meinem Alltag!
Es liegt an mir, an dir, an jedem selbst, Kirche zu gestalten.


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