Freitag, 14. April 2017

OsterSpecial: Tod und Verderben

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Was war für dich die größte persönliche Katastrophe, die dir widerfahren ist?

Manchmal scheint es mir so, als ob wir uns mittlerweile so sehr an Jesu Geschichte gewöhnt haben, dass wir die Kreuzigung an Karfreitag nicht wirklich als das erfassen können, was sie war: eine unglaubliche Katastrophe für alle Beteiligten.
Jesus hatte in den Jahren seines Wirkens viele Menschen getroffen und verändert. Er hatte Mitläufer, Anhänger und enge Freunde. Er hat alteingesessene Dinge umgekrempelt und neue Perspektiven eröffnet. Er war für die Menschen da und hat ihnen seine Liebe geschenkt und dadurch eine Veränderung der Welt angestoßen, die bis heute anhält. Alle Gleichnisse und Wundertaten lesen sich wie ein einziger Aufschwung, eine positive Bewegung hin zum Besseren. Der frühe Tod von Jesus passt da nicht hinein. Jesus hätte auch noch viele Jahre predigen und heilen können, um dann eines Tages alt und lebenssatt als Begründer dieser Bewegung friedlich einzuschlafen.

Stattdessen wird Jesus in der Blüte seines Lebens ermordet.

Was muss das für eine Ernüchterung gewesen sein für alle, die ihr Herz in der einen oder anderen Weise an Jesus gehangen hatten. Es gibt auf unserer Erde ja nichts endgültigeres und hoffnungsloseres als den Tod. Er war das Ende aller Heilungen, aller Gleichnisse, allen Segens, den Jesus während seines Lebens gebracht hatte. Schon die Tatsache, dass ein unschuldiger Mensch auf Grund von Ränkespielen brutal hingerichtet wurde, muss jedem Menschen mit Sinn für Gerechtigkeit katastrophal vorkommen. Aber dazu noch ein Mensch, der unzähligen anderen Menschen Hoffnung und Liebe gegeben hat, ein Mensch der die Welt verbessert hat. Selbst wenn ich Jesus nicht persönlich gekannt hätte, ich wäre erschüttert gewesen über seinen Tod.
Wie wird es damals wohl den Jüngern ergangen sein? Wie haben sie das erlebt?
Wie die größtmögliche überhaupt denkbare Katastrophe. Der unwiederbringliche Verlust ihres Freundes und Lehrers. Alle Zukunftsaussichten zerstört. Angst vor politischer Verfolgung. Trauer. Schmerz. Hoffnungslosigkeit. Katastrophe.
Man könnte versuchen noch viele Worte zu finden, um dieses unermessliche Gefühl näher zu beschreiben, aber alles wird nur ein kläglicher Versuch bleiben.
Worte können den Schmerz nicht fassen, wenn der Boden unter den Füßen weggezogen wird und sich eine Leere auftut, die nicht zu füllen ist. Vielleicht gab oder gibt es in deinem Leben ein Ereignis, was in diese Kategorie fällt, der Tod eines geliebten Menschen, das Ende einer Beziehung, eine Krankheitsdiagnose. In solchen Momenten gibt es nichts zu sagen, schon gar nichts schönzureden und alle gut gemeinten Aufmunterungen kommen einem wie ein Schlag ins Gesicht vor. Es gibt in unserer Welt kaum Platz für Schmerz und Leiden. Man kann mal einen schlechten Tag haben. Aber wenn man über Wochen immer nur ein schlechtes Gesicht zieht und jammert, dann liegt man schnell allen in den Ohren. Niemand umgibt sich gern mit Leuten, die keine Freude haben und keinen inneren Antrieb. Wir haben lieber witzige Leute um uns, die gute Ideen haben und bei denen immer die Sonne scheint.

Da bleibt man schnell allein im Leiden.

Doch es gibt Raum für jedes Leid. In Gottes Welt ist Platz für enttäuschte Hoffnungen und gebrochene Herzen. In Gottes Geschichte geht es, wie auch in unserem Leben, nicht immer nur steil bergauf. Gott sieht seinen einzigen Sohn sterben. Jesus wird von den Menschen getötet, die er über alles liebt.
Diese Katastrophe ist das Zentrum von Gottes Geschichte mit der Menschheit. Deshalb versteht Gott dein Leiden.

Es gibt Tage der Katastrophe, Tage des Leidens, manchmal sogar eine nicht endende Reihe solcher Tage. Karfreitag ist ein solcher Tag.

Jesus stirbt.

Aber Karfreitag ist nicht der letzte Tag.

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