Freitag, 12. August 2016

Buch: Timothy Kang – Gegen den Strom (Meine Flucht aus dem Elend Nordkoreas)

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>>Timothy Kang wächst in bitterer Armut in Nordkorea auf. Um aus dem diktatorischen System auszubrechen, flieht er mit seiner Mutter nach China. Doch dann wird er abgeschoben und zu einer Haftstrafe in einem nordkoreanischen Straflager verurteilt, einem der grausamsten Gefängnisse der Welt. Dort wo niemand lange überlebt, ringt ihm ein Freund ein Versprechen ab: „Wenn du hier raus kommst, dann musst du der Welt davon berichten.“ Kang überlebt. Und erzählt seine Geschichte. Es ist die Geschichte der vergessenen Menschen Nordkoreas. <<

So lautet der Klappentext des Buches „Gegen den Strom“. Doch auf das was einem mit diesem Buch wirklich erwartet, bereitet er einen beim besten Willen nicht wirklich vor. Wir kennen die Statistiken in denen Nordkorea seit Jahren auf dem ersten Rang bei der Christenverfolgung steht. Doch wie sehr auch Menschen in Nordkorea verfolgt werden, ohne dass sie irgendeine Gefahr für das Regime darstellen hätte ich nie erwartet. Die Not der Menschen in Nordkorea, von der ich zwar wusste, die ich aber niemals so plastisch vor Augen hatte, spricht von jeder Seite.

Timothy Kang wurde 1986 in Nordkorea geboren. Er floh mit 11 Jahren das erste Mal zusammen mit seiner Mutter nach China. Dort fand er durch eine chinesische Untergrundkirchen zum Glauben an Jesus Christus. Sein Herz, das gefüllt mit Liebe zu seinem Heimatland war, trieb ihn allerdings mehrmals zurück nach Nordkorea. Bis er sich 2003 mal wieder in China befindet, dort jedoch aufgegriffen und nach Nordkorea abgeschoben wird.

Die Wahrheiten und die Einblicke in dieses so abgeschottete Land sind einerseits faszinierend, aber noch viel mehr schockierend. Zu lesen, dass Menschen vor lauter Hunger Gras und giftige Kräuter essen, um nicht verhungern zu müssen, ist etwas dass mir persönlich doch sehr zu schaffen machte. Auch war mir nicht bewusst, dass in Nordkorea ein Art Kasten- bzw. Schichtensystem herrscht und das man in seiner Schicht zwar absteigen, aber niemals (egal wie regierungskonform man sich verhält) aufsteigen kann.

Besonders an dem Buch ist, dass hin und wieder auf der Seite Youtube-Links angegeben sind, die entweder Szenen aus dem Nordkoreanischen Fernsehen zeigen, um bestimmte Dinge bildlich noch etwas deutlicher zu machen, oder Filmmaterial, das Reisende aus Nordkorea herausgeschmuggelt haben.

Doch neben all diesen schrecklichen Berichten innerhalb des Buches finden wir auch das was Timothy Kang (der im Übrigen nicht wirklich so heißt, sondern diesen Namen angenommen hat) die meiste Kraft und Hoffnung gegeben hat. Seinen Glauben und seinen größten Traum, nämlich die Gute Nachricht von Jesus auf dem Kim-Il-Sung-Platz in Nordkorea zu verkünden. Außerdem erfährt man viel über den Zusammenhalt und die persönlichen Bindungen unter den verfolgten Christen. So beschreibt Timothy die Beziehung zu einer älteren Christin, die für ihn nach dem Tod seiner leiblichen Mutter und durch seine Bedeutung für sein Glaubensleben, zu einer Art Ersatzmutter bzw. geistlichen Mutter wird.

Für mich stärkte diese Buch das Gefühl, dass Verfolgung den Zusammenhalt unter Christen sogar eher stärkt statt schwächt. Und das hat mich persönlich besonders ermutigt.

Wer sich für die Situation der verfolgten Christen und überhaupt für die Not der Menschen in Nordkorea interessiert, dem sei dieses Buch ans Herz gelegt. Trotz oder gerade wegen der vielen extremen Schilderungen, hat man nicht das Gefühl, dass etwas beschönigt oder verherrlicht wird. Das Buch ist authentisch, schon fast schonungslos ehrlich. Es ist im SCM-Verlag für 16,95 Euro erschienen.

Viel Spaß und Freude kann ich bei diesem Buch nicht wirklich wünschen, aber dafür viele ehrliche Erfahrungen/ Berichte, auf die man ohne dieses Buch wohl nicht gestoßen wäre.



Zusatz:
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Während ich das Buch für diese Rezension las, blieb ich an einer Stelle hängen an der es darum ging, dass Pjöngjang die Vorzeigestadt Nordkoreas ist in der nur hochrangige/ regierungstreue Parteimitglieder leben dürfen und in der es Autos, Geschäfte, Telefone/ Handys gibt, und gerade deshalb Touristen, wenn sie Nordkorea besuchen, Pjöngjang am ehesten zu sehen bekommen. Dass der restliche Teil des Landes aber nicht einmal ausreichend mit Strom und Nahrung versorgt werden kann.

Am selben Abend lief dann ein Bericht im Fernsehen, in dem kurz erklärt wurde, dass „Nordkorea sich langsam der Moderne öffne“, da es z.B. in Nordkorea jetzt schon Handys, Autos, etc. gebe. Ich konnte dazu nur innerlich lachen und dachte: Schau an, da ist jemand scheinbar der Vorzeigestadt auf den Leim gegangen! Denn dass nicht jeder Mensch einfach so in Pjöngjang leben darf, dass wurde natürlich nicht erwähnt, vermutlich auch da es den meisten in Europa und Amerika eben nicht wirklich bekannt ist.


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