Donnerstag, 21. April 2016

Thema des Monats: Prädikat mangelhaft - wenn Zweifel an dir nagen

via
Seit 2009 gibt es die Alternative-Electronics-Rock-Band Trip to Dover. Derzeit besteht die Band aus Olga und Johannes Taal. Aber es gab in den vergangenen 7 Jahren auch immer mal 1 bis 2 weitere Musiker in der Band. Olga und Johannes ließen ihr geregeltes Leben hinter sich, kündigten ihre gut bezahlten Jobs und wagten etwas Neues fernab der Heimat. Ihre Leidenschaft für Musik haben sie nun zu ihrem Beruf gemacht.

Zu unserem Thema des Monats hat sich Olga ein paar Gedanken gemacht, die sie mit euch teilen möchte.


Ikarus vs. The Boy

And on the day you were born, you became the beginning of what is possible. You are a dream come true, an imagination in physical form. You are the embodiment of what is possible. Your thoughts, your words, your songs, your paintings — these works bring your personal soul to life. They call that which isn’t into existence.” - Jon Foreman.

Als ich den Beitrag für das Thema des Monats geschrieben habe, waren wir gerade im Mailmen Studio (Niederlande) und haben gerade einige neue Songs für Trip to Dover mit dem Produzenten Martijn Groeneveld aufgenommen.
Das sind echt spaßige Zeiten, die uns auch Freude bereiten; von der musikalischen und textlichen Idee, die wir haben, kreieren wir dann Lieder von denen wir hoffen, dass viele von euch davon inspiriert werden und mitsingen.
Aber diese Zeiten können auch sehr verwirrend sein, wenn man von ganz oben nach ganz unten fällt. Die Leute nehmen oft an, dass wir tonnenweise Selbstbewusstsein haben müssen, um das zu tun, was wir tun. Also, ich erzähle euch mal ein Geheimnis: das haben wir nicht. Wie jeder andere Mensch auch, müssen auch wir durch Zweifel, Kämpfe und Chaos durch und stellen uns Fragen wie "Wer bin ich?" und "Wer könnte ich sein?" und "Ist das der richtige Platz für mich, an dem ich jetzt sein soll?".
Für mich ganz persönlich gipfeln sich diese Fragen manchmal auch gerade wenn wir im Studio sind.
Alles in allem ist das ein guter Ort, um einige Gedanken zu reflektieren im Bezug auf Identität und Selbstbewusstsein.

Einer der Songs, an dem wir gerade arbeiten heißt "Boy". In dem Lied geht um... naja eben einen Jungen. In dem Lied geht es aber auch um Identität. Ein Lied über Spannungen zwischen dem, wer man ist und wer man sein könnte. Dieser Junge könntest du sein, dein Freund, deine Schwester, dein Bruder. Ja, diese Junge könnte auch ich sein. Dieser Junge ist gefangen in einem Labyrinth mit hohen Wänden aus Stein. Er befindet sich an einem Ort, wo die Sonne niemals scheint. Er träumt davon, Sonnenuntergänge zu sehen, hat aber noch nie die Wärme von Sonnenstrahlen auf seiner Haut gefühlt. Er kann sich nur vorstellen, wie das Leben außerhalb der Gefangenschaft sein könnte. Wer er sein könnte.

Dieser Junge sitz da einfach nur, zitternd und welkend. Mit dem Rücken an den kalten Steinen. Er hat Flügel gefunden und er weiß sogar, wie man damit fliegt, aber er tut es nicht.
Wieso? Weil die Leute um ihn herum, ihm verdeutlichen, dass diese ganze Situation ganz danach aussieht wie der alte Mythos von Ikarus, eine Geschichte der alten Griechen. In diesem Mythos entkommt ein Junge namens Ikarus aus einem Labyrinth, in dem er mit Flügeln, die sein Vater gebaut hat, wegfliegt. Alles lief gut, bis Ikarus zu selbstsicher wurde und anfing Tricks zu machen. Er flog zu nahe an der Sonne und das Wachs, welches die Federn zusammenhielt, schmolz und Ikarus stürzte ins Meer und ertrank.
Falls du diese Geschichte noch nie gehört hast, dann schau mal auf Google danach. Man kann sie fast überall finden. Es ist eine sehr bekannte Geschichte, tausende Jahre alt. Eine Geschichte, die Leute immer wieder benutzen, um zu zeigen, dass Bestrafung von Vermessenheit oder Selbstüberschätzung kommt. Die Moral der Geschichte ist Bescheidenheit. Eine Lektion darüber, dass man seine menschlichen Grenzen nicht überschreiten sollte, weise sein soll und innerhalb seiner Grenzen leben soll. Eine tolle Moral, wie ich finde.

Zurück zu unserem Song "Boy". Dieser Junge sitzt immer noch hier und die Leute um ihn herum warnen ihn immer noch und fragen "Was passiert, wenn du fällst? Was, wenn du abstürzt?"
Diese Situation scheint genauso zu sein, wie bei Ikarus, aber: dieser Junge ist definitiv nicht wie Ikarus. Er ist einfach nur ein Junge, der sein möchte, wie er sein könnte. Er weiß, dass er nicht dazu bestimmt ist, sein Leben in diesem kalten Labyrinth zu verbringen, aber wer wurde dazu bestimmt, im Sonnenlicht zu lebem, die Wärme zu spüren, etwas zu verändern, zu atmen, zu leben und zu lieben.
Er hat ein wunderschönes Paar Flügel bekommen und das Einzige, was er jetzt noch tun muss, ist es, den Sprung zu wagen... und zu fliegen!

Aber wenn wir das mit unserem eigenen Leben in Verbindung bringen, dann kann es ziemlich schwer sein, zu fliegen. Stimmt's? Vor allem, wenn die Leute um uns herum sagen: "Was, wenn du fällst?" oder "Du musst total selbstbewusst und arrogant sein, um Anlauf nehmen zu können, um zu fliegen! Das ist unfassbar!" oder "Was ist, wenn das dunkle Labyrith ein besserer Ort ist?"

They will always say: What if you fall? What if you fall?
But what if you fly, my darling? What if you fly!
The heavens were made for you.
Sunsets are waiting for you to awake and fly!

Meine lieben Freunde, ich kann euch nur eines sagen: Warum versuchst du es nicht einfach? Die Leidenschaft in deiner Seele sitzt hier nicht umsonst. Sie ist aus einem Grund da. Wurdest du nicht geschaffen, um kreativ zu sein und Dinge zu erforschen?
Ich weiß nicht, ob du die Bibel liest, aber eine meiner liebsten Stellen in diesem Buch befindet sich ganz am Anfang. Dort, wo Gott nachdem er den Mann erschaffen hat, alles, was er davor schuf, Adam gezeigt hat, um zu sehen, wie er sie nennen würde. Und so wie Adam diese Lebewesen benannt hat, so war dann auch ihr Name. Es ist eins der ersten Dinge, die Gott getan hat, nachdem er die Welt erschaffen hat. Er ist neugierig was unsere Kreativität angeht und unsere Verantwortung gegenüber dem, was er gemacht hat. Ich glaube, dass in dieser Verantwortung auch ein großes Teil des Puzzles unserer Identität liegt.

Vor über 8 Jahren haben mein Mann Johannes und ich unsere Jobs als Politikberater und Architekt gekündigt. Wir haben alles, was wir hatten, verkauft und haben uns auf den Weg nach Dover (Großbritannien) gemacht. Wir wussten nicht, was uns dort erwartet würde. Wir fühlten einfach nur diese Dringlichkeit in unserem Herzen, diese Leidenschaft in unserem Herzen, Lieder zu schreiben und Musik zu machen, bei der Leute mitsingen können und die sie inspiriert. Und ja, die vielleicht dem einen oder anderen vielleicht auch auf irgendeine Art hilft.
Einige haben uns gewarnt: Ihr gebt das alles auf, wofür? Was, wenn ihr scheitert? Wenn ihr fallt?
Was, wenn ihr nie wieder die Chance habt, so ein Haus und so ein Auto zu kaufen? Nie. Was, wenn ihr versagt?
Was, wenn niemand eure Lieder anhört? Was, wenn ihr fallt?
Was, wenn ihr es bereut, diese Schritte gegangen zu sein? Es wird wahrscheinlich keinen Weg zurück geben! Was, wenn ihr scheitert?

Fliegen heißt nicht "zu tun, was du willst". Es bedeutet, den Willen zu haben dieses Risiko etwas zu verlieren einzugehen, um etwas neues zu finden. Ob wir in diesem kalten Labyrith bleiben oder mit unseren Flügeln Richtung Himmel flattern, ist vielleicht nicht das was wirklich zählt; weil in diesem Leben Eitelkeit nicht alles ist, ein Jagen nach dem Wind?
Aber wenn du dich entscheidest zu fliegen, dann fällst du vielleicht auch. Du kannst verletzt werden, du findest vielleicht nie einen beständigen Kurs oder du verlierst deine Lieblingsfedern auf dem Weg.
Fliegen macht dich nicht reich, selbstbewusst oder super erfolgreich (was auch immer das bedeutet), aber es wird dich näher zu dem bringen, wer du sein könntest und auch wer du eigentlich bist.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen