Sonntag, 13. Juli 2014

ALOJS100 in Radibor

via alojs100.de
Letztes Wochenende wurde im sorbischen Radibor bei Bautzen der Selige Alois Andritzki (sorbisch: Alojs Andricki) gefeiert. Zu seinen Ehren feierte die Gemeinde das Jugendfestival ALOJS100 auf dem Gelände der Dorfkirche.

Alojs Andricki war ein katholischer Priester und Jugendseelsorger im sorbischen Teil Sachsens. Der Priester aus dem Bistum Meißen war entschiedener Gegner des Nationalsozialismus und wurde am 3. Februar 1943 im KZ Dachau durch eine Giftspritze im Krankenlager ermordet. Am 13. Juni 2011 wurde Alois Andritzki seliggesprochen. Er ist somit nicht nur der erste sorbische Selige, sondern auch der erste sächsische Selige.
In diesem Jahr wäre er 100 Jahre alt geworden.

Das 3-tägige Festival begann am 4. Juli mit der Anreise und dem Abendessen. Die Teinehmer des Festivals konnten zelten oder aber in der nahegelegenen Turnhalle schlafen. Zu Beginn waren die Besucherzahlen noch überschaubar, bis nachts noch ein Bus katholischer Jugendlicher aus Bayern anreiste. Aber auch eine internationale Gruppe junger Leute von YouCat war angereist. YouCat ist der Jugendkatechismus der katholischen Kirche und ebenfalls eine weltweit agierende Organisation. Die Gruppe bot ebenfalls am Samstag einen Workshop für die Teilnehmer an.

Nach dem Abendbrot gab es noch die Möglichkeit die Heilige Messe in der Pfarrkirche zu besuchen. Für alle Besucher aus anderen Teilen des Landes war es jedoch schwierig dieser zu folgen, da die Messe nur auf sorbisch war.

Den musikalischen Auftakt des Festivals machte am Freitag eine junge regionale Band mit dem Namen SerBeat. Wie der Name schon vermuten lässt, eröffneten die 6 jungen Herren das Festival mit sorbischen, aber auch mit deutschen und englischen Coversongs. Bei den sorbischen Liedern fassten sie für alle, die der sorbischen Sprache nicht mächtig sind, den Inhalt noch einmal kurz auf Deutsch zusammen. Mit E-Gitarren, einem Saxophon, einer Trompete, ein bisschen Ska und mit elektronischen Beats stimmten sie die Besucher auf den Abend ein.

Aber nicht nur sie standen mehrsprachig auf der Bühne. Auch das Moderatoren-Duo Božena und Ignac führte auf Deutsch und auf Sorbisch durch das Programm.

Moderator Ignac ließ es sich aber auch nicht nehmen mit Schirm, Charme und Melone die junge sorbische Band auf der Bühne musikalisch und vor allem gesanglich zu unterstützen. Teils sorbisch, teils deutsch sang er über das Festival und über den Seligen Alois Andritzki.

Nachdem die Besucher auf den Abend eingestimmt wurden, ging es auf der Bühne mit dem Rapper Danny Fresh und seiner Frau Laura Bellon, die der eine oder andere vielleicht noch von The Voice of Germany kennt, weiter. Danny Fresh ließ es sich nicht nehmen die Leute in unmittelbarer Nähe der Bühne per Handschlag persönlich zu begrüßen und die Leute in einem Freestyle Rap miteinzubinden. Mit gekonnten und rasant schnell aneinander gereihten Worten zog der Rapper das Publikum in seinem Bann. Für die sanfteren, souligen Töne sorgte dahingehend Laura Bellon. Seine Songs erzählen von Hoffnung, Träumen und vom Glauben an Gott.
Gegen Ende seines Auftrittes kündigte er selbst die nachfolgende Band an, mit der er eine ganze besondere Verbindung hat.

Die östereichische Poprockband Cardiac Move und der deutsche Rapper hatten u.a. schon gemeinsame Auftritt in Israel bei dem Festival Rock to Bethlehem. Mit vielen bekannten Liedern wie "Fisherman" und "What I feel", aber auch der neuen Single "We are" begeisterten sie jung und alt gleichermaßen. Da in den Songs stets der Inhalt im Mittelpunkt steht, den die Österreicher ofmtals noch einmal kurz und bündig zusammenfassten, konnte man dem ganzen direkt die Gute Botschaft entnehmen.

Was für die meisten Festivalbesucher und Konzertgänger etwas befremdlich scheint, ist bei Veranstaltungen wie dieser oder dem KEY2LIFE Festival ganz normal: tanzende Nonnen und Mönchen in braunen, grauen und schwarzen Kutten.

Dann wurde es Zeit für eine weitere weitgereiste Band, die in Sachsen keine Unbekannten mehr sind: Trip to Dover aus Holland. In gutem Deutsch und teilweise auf Englisch begrüßte Frontfrau Olga die Leute vor der Bühne und bedankte sich bei Pater Paulus für die Einladung. Mit dabei hatten sie neben altbekannten Songs wie "Bitter or better" und "Where was I" auch ihre neue Single "Lifelong Lovesong", die derzeit sogar in den niederländischen Radios rauf und runter läuft. Und der weite Weg hat sich für die 3 Vollblutmusiker gelohnt, so wie sie von den Leuten in Radibor gefeiert wurden. Trip to Dover begeisterten so sehr, dass Olga bei ihrem Bad in der Menge von eben dieser auch hochgehoben und über den Platz getragen wurde - ein wohl auch für sie unvergessliches Erlebnis. Da ließen sie es sich nicht nehmen ihre neue Single gleich nochmal als Zugabe zu geben.

Den Abschluss des Abends bildete eine große Gruppe Musiker aus Irland, die unter dem Namen Elation bekannt sind. Mit bekannten Lobpreisliedern boten sie den Besuchern der Veranstaltung Gott für den gelungenen Abend, das schöne Sommerwetter und den Anlass gebührend zu danken und ihn zu loben. In ihrer Art Musik zu machen und Gott zu loben erinnert sie ein wenig an Rend Collective.

via alojs100.de
Aber das Festival ALOJS100 endete natürlich nicht Freitagnacht. Am nächsten Tag ging es noch weiter mit verschiedenen Workshops und Seminaren, Konzerten am Nachmittag und abends mit der Heiligen Messe und dem Nightfever Special. Hinter dem Nightfever steckt ein ziemlich einfacher Gedanke. Die Kirche steht für alle offen Gott dort zu loben und ihm im Gebet nahe zu kommen, in dieser Zeit aber auch ein paar Minuten Ruhe zu finden. In einer gemütlichen Atmosphäre im Kerzenschein gibt es dort die Möglichkeit eine Kerze anzuzünden, zu beten, mit den Priestern Gespräche zu führen. Für die musikalischen Umrahmung dieses Events sorgten dabei Elation, Trip to Dover, Laura Bellon und Danny Fresh.

Am Sonntag wurde das Event mit einer Bistumswallfahrt zum Zisterzienserkloster in Rosenthal abgeschlossen, wo ein Wallfahrtsgottesdienst zu Ehren des Seligen Alois Andritzki gefeiert wurde. Es gab die Möglichkeit mit Bussen nach Rosenthal zu fahren oder eben zu Fuß in das Kloster zu pilgern.

Es war eine durch und durch gelungene Veranstaltung, da so Erinnerung und Feiern gut verbunden wurde auf einer Basis, die für jung und alt ansprechend war. Deshalb war das Publikum wunderbar gemischt und die Generationen kamen ungezwungen und fröhlich zusammen. Einen Dank an die Veranstalter, die mit diesem Festival nicht nur den Besuchern Freude gebracht haben, sondern auch das Andenken an einen Kämpfer für die gute Sache wahren, der in einer Zeit wirkte als das alles andere als einfach war.

Weitere Bilder findest du auf der Homepage des Festivals oder auf Time Passed By Photography.

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