Dienstag, 10. Juli 2012

Zauberei und der christliche Glaube

© mrjoy.de

Passen Zauberei und der christliche Glaube zusammen oder geht das gar nicht?



Bei der Deutschen EC Meisterschaft in Baunatal bei Kassel haben wir den Illusionskünstler Mr. Joy getroffen und mit ihm unter anderem auch darüber gesprochen, wie und ob der Glaube und das Zaubern zusammenpassen.





Wie hat das bei dir angefangen mit dem Zaubern und wann?

Es hat angefangen mit einem Kinderzauberkasten. Mein älterer Bruder hat einen geschenkt bekommen und hat ihn eher liegen lassen. Der zweite Bruder hat ihn auch liegen lassen. Mich hat das aber fasziniert. Ich habe dann manches einstudiert und habe verstanden aber auch durch Fehler gelernt, was man nicht machen darf und was man machen muss, damit ein Trick funktioniert. Nebenbei habe ich beispielsweise gelernt, dass man einige Dinge nicht zu oft wiederholen darf, da dann der andere leichter hinter das Geheimnis kommt. Das waren erste gute Grundlagen. Jonglieren habe ich vielleicht mit 12 oder 13 gelernt, in Eigenregie via trial and error. Das hat irgendwann irgendwie geklappt. Später hat ein Freund gefragt, ob ich das auch unterm Bein werfen kann. Und dann habe ich das irgendwann geübt, bis ich es eben konnte. Ich war sehr geduldig. So kam immer mehr dazu. Ich habe mir zu Weihnachten Keulen gewünscht, um diese mal zu testen, oder Ringe, ein Einrad usw. In der Folge kamen weitere Gegenstände auf der Wunschliste dazu, in die ich dann investiert habe.

Wer ist Mr. Joy fernab der Bühne?

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Wenn ich das selber wüsste... (lacht) Karsten ist zumindest schon mal mein Name, Karsten Strohhäcker. Ich habe studiert. Nach dem Abi ging es mit Mathematik und Physik los - auf Lehramt. Während des Studium kam es zu immer mehr Joy-Auftritten und das hat sich deutlich weiter entwickelt. Am Ende des Studium habe ich gedacht, dass es schade wäre direkt ins Lehramt zu gehen. Das Referendariat lässt kaum Zeit für Auftritte. Und gerade da die Auftritte sehr viel Frucht gebracht haben, habe ich gedacht "Warum nicht weiter machen?" Ich habe zusätzlich noch Sport dazu genommen, auch um länger als Mr. Joy tätig sein zu können. Zusätzlich war eine theologische Qualifikation auch für mich als verkündigenden Künstler hilfreich. Als Zweitstudium kam es somit zu Sport, Theologie und Religionswissenschaft - auf Magister. Seit Februar habe ich da die Prüfungen hinter mir. Ich schreibe gerade noch an der Magisterarbeit. Und jetzt habe ich vor, nachdem ich viel studiert habe, professioneller Kleinkünstler zu sein. Das Studium war gut und hat vieles ermöglicht... Soweit zu dem. Verheiratet bin ich, wurde in Schweden geboren und bin in Afrika aufgewachsen. 10 Jahre lang war ich in der Zentralafrikanischen Republik. Und hier bei der EC-Meisterschaft kommt mir wieder: Früher habe ich Leistungssport gemacht. Volleyball. Das ging damals in Richtung Jugendnationalmannschaft und war mir sehr wichtig. Bis dann irgendwann Mr. Joy mir wichtiger wurde. Der Leistungssport hat mir dann auch nicht mehr so viel Spaß gemacht - ich hätte eigentlich schon Lust gehabt auf Jugendnationalmannschaft - aber es war dann kein Spiel mehr miteinander, sondern gegeneinander. Man musste den Anderen eben ausstechen, um seinen Stammplatz zu haben. Und dafür lief einiges nicht nur auf sportlicher Ebene, sondern eben hinter den Kulissen. Da hat Volleyball aufgehört Spaß zu machen.


Kann man als Kleinkünstler von den Auftritten leben?

Schwierig. Am Anfang habe ich meine Auftritte auf Spendenbasis gemacht. Ich dachte eigentlich, dass die, die reicher sind mehr bezahlen und die, die ärmer sind damit mitfinanzieren. Aber es war eher andersherum. Die, die reich waren, haben diese Spendenbasis ausgenutzt und die ärmeren haben über ihre Verhältnisse bezahlt. Es ging bei mir in die Miesen. Später habe ich Richtwerte eingeführt. Das heißt, dass die Veranstalter eine richtige Preisliste bekommen mit einem Rest an Flexibilität, um dennoch manch Auftritte unterstützen zu können, die es sich eigentlich nicht leisten könnten. Es gab darunter einige, die sehr viel bewirkt haben. Deswegen wäre es schön, diese auch weiter machen zu können. Die Richtwerte erlauben denen, die dann Schwierigkeiten haben mir dies sagen zu können und ich kann dann versuchen darauf zu reagieren. Am Anfang lag ich dann eher bei null auf null. Jetzt ist es leicht im Plus. Leben komplett davon, also eine Familie ernähren, ist etwas schwierig. Ich werde es aber zumindest versuchen. Es sind eben ziemlich viele Abgaben, die weggehen. Auch wenn eine Gage dann höher wirkt, die Hauptkosten entstehen durch Requisiten, Technik, Abgaben, auch durch einstudieren und wieder verwerfen und wieder neu einstudieren. Dann merkt man vielleicht, es geht gar nicht, die Idee war es nicht und man muss woanders anfangen. Zusätzlich noch die Arbeit bis eine Nummer dann zu Ende entwickelt ist und steht. Die Vorarbeit ist also die Hauptarbeitszeit und nicht die Zeit, die man an dem Tag auf der Bühne steht, fährt, auf- und abbaut. Und diese muss eben auch irgendwie mitfinanziert werden, genauso wie die Organisation, Buchhaltung, Auto, Lagerraum, Wartung usw. Mit den Sozialabgaben und Steuern und allem Möglichen wird dies dann ein höherer Betrag. Und so bleibt am Ende eines Jahres wenig übrig. Üner Geld spricht man ja eigentlich nicht, aber letztes Jahr lag es dann am Ende in der Jahresgesamtsumme im mittleren 4-stelligen Bereich für's ganze Jahr. Das ist dann nicht so prall und zu wenig, um eine Familie zu ernähren.


Was motiviert dich dann für deinen Job als Kleinkünstler?
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Mich motiviert sehr vieles. Manchmal reduziere ich es auf das dreifache Joy. Zum Einen hab ich selber Freude daran, an dem was ich tue, bin sehr geduldig im Training. Und, wenn manche eben die Sachen liegen lassen, keinen Bock mehr drauf haben, dann hocke ich mich trotzdem nochmal hin und versuche es nochmal bis es gelingt. Ich habe einfach Freude daran zu experimentieren, was Neues rauszufinden, eine neue Nummer einzustudieren. Das zweite Joy ist, ich möchte den Leuten eine Freude machen. Es motiviert einen natürlich sehr, wenn man die Leute sieht, wie sie sich faszinieren lassen, darüber lachen oder staunen. Das ist bei Kindern nochmal ganz anders als bei Erwachsenen, auch von dem wie sie's zeigen. Dies ist natürlich eine große Motivation. Und der dritte Grund ist die Gnade und in der Folge Freude, die ich geschenkt bekomen habe. Von dieser möchte ich anderen weitergeben. Wie an Weihnachten: Es ist schön, anderen eine Freude zu machen. Hier darf ich das größte und beste Geschenk teilen, um anderen als Beschenkter auch etwas Gutes zu tun. Was gibt es motivierenderes als Menschen von Gottes Gnade weiter erzählen zu können, und so befreites Leben zu ermöglichen?


Passt das für dich zusammen, der christliche Glaube und das Zaubern?

Ja, das passt in vielen Bezügen. Das eine ist die Frage, darf man als Christ jonglieren, lachen :) oder zaubern oder was auch immer. Beim Jonglieren ist es vielleicht leichter Ja zu sagen. beim lachen - in manchen Gemeinden denkt man, dass es schwierig und unmöglich sei - dabei sollte man da eigentlich auch Ja sagen.  Beim Zaubern gibt es die Schwierigkeit, dass es im Deutschen ein doppeldeutiger begriff ist. Es gibt eben den okkulten Bereich und den Trickkünstlerbereich, wo man als Gaukler quasi den Leuten eben mit Schauspiel, Fingerfertigkeit, Psychologie, Optik, Ablenkung usw eine Illusion vor Augen malt. Also ich könnte da jetzt länger drüber reden, aber hier verweise ich mal auf meine Homepage. Dort gibt es einen Artikel über den Zauberbegriff an einer markanten Bibelstelle: Was ist damit gemeint? Und wie kann man was unterscheiden? Und wo ist die Grenze? In der Bibel findet man z.B. in der Offenbarungsstelle die Zauberer. Wenn man da in den Urtext schaut, findet man den Begriff "Pharmakos". Und diese "Pharmakos" kommen nicht gut weg. Auf meiner Page habe ich das ein bisschen genauer erklärt. Um es jetzt kurz zu fassen, versuche ich es mit einem anderen Beispiel: Man kann Mittel zum Guten wie auch zum Schlechten nutzen. Man kann mit einem Messer etwas Gutes, dem Menschen Hilfreiches tun, indem man z.B. ein Brot schneidet, damit man das dann besser essen kann. Man kann mit einem Messer aber auch andere verletzen. das heißt, das Messer an sich ist nicht das Schlechte, sondern das, was der Mensch draus macht. Es gibt einen satanistischen Zirkus mit reinem Artistikprogramm, der damit aber auch den Leuten eine ziemlich miese Botschaft weitergibt. Es gibt Bands, die Musik machen, nicht unbedingt um damit Gott zu loben. Man kann die Musikinstrumente, egal ob Orgel oder Schlagzeug, aber genauso nutzen, um Gott groß zu machen. Man kann leider die Zauberkunst zum Schlechten nutzen... Ein bekannter Künstler hat da mal all seine Nummern begonnen mit "Wir wollen die Geister in dem Raum wecken, und somit...". Er hat nur normale Tricks gemacht, das dann aber sehr übel verkauft. Man kann diese Kunstsparte aber auch zum Guten nutzen. Beispielsweise als Bilder, als eine Art Gegenstandsandacht. So ähnlich wie Jesus früher Gleichnisse genutzt hat, um Bilder bei den Menschen zu erzeugen, die sie vielleicht eher verstehen, mit nach Hause nehmen und die dann eher im Kopf bleiben, um dann nochmal drüber nachzudenken. Alles, was Gott uns schenkt, sag ich immer ganz gern, kann man zum Positiven oder zum Negativen nutzen. Egal ob es eben Musikalität ist, ob Muskelkraft, ob Wissen oder auch Sexualität - man kann sie pervertieren, man kann sie aber auch Gott zur Ehre in der Ehe genießen. Die Sexualität per se ist nichts Schlechtes und in meinem Fall die Täuschungskunst nicht, aber man kann Gutes wie Schlechtes daraus machen.

Du warst mit Compassion in Uganda, was verbindet dich mit Afrika?

Compassion ist ein christliches Kinderhilfswerk. Compassion heißt "Mitgefühl". Mich verbindet mit Afrika eben 10 Jahre Geschichte dort und somit ein besonderes Mitgefühl mit den Menschen. Ich bin in der Zentralafrikanischen Republik aufgewachsen, dort leben meine Spielkameraden - komplett in der Pampa, also fernab jeglicher Zivilisation, mitten in einem Dorf, in dem wir die Einzigen Weisen waren. Das heißt, viele tolle Spielkameraden, viele spannende Geschichten mit allen möglichen Tieren und manchmal gefährlichen Erlebnissen, aber auch eine sehr schöne Vergangenheit. Und jetzt mit Compassion war ich in Uganda in einem anderen afrikanischen Land und nicht so ganz in der Pampa, sondern in der Hauptstadt Kampala und dort in den Slums um die Hauptstadt herum und dem nahen Umland. Die Stadt ist dann zumindest zum Teil eher entwickelt, aber bringt viel Leid und Hunger mit sich, weil die Leute vom Land mit einer großen Hoffnung in die Stadt kommen, um dort Arbeit zu finden. Dies sind aber viel zu viele. Die meisten enden dann irgendwo im Bereich der Slums und dort in ihrer 4 qm Blechhütte und froh, wenn sie ein Dach über dem Kopf haben - jeden Tag so ein bisschen ums Überleben kämpfend. Mit Compassion und Uganda verbinde ich eine tolle Möglichkeit, Menschen, die dort keine Chance haben, eine Chance zu geben. Compassion ist in vielen Ländern in Südamerika, Asien und jetzt auch immer mehr in Afrika tätig, um die Armut und deren Folgen zu bekämpfen.


Unser Blog heißt "Burnin' Heart Reports", was bedeutet dir dein Glaube im Alltag?

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Er bedeutet mal mehr, mal weniger. Das ist, glaube ich, das normale beim Christsein. Man lebt mal mehr mit Gott und mal weniger intensiver. Es gibt Tage, in denen man sich bewusst mehr Zeit nimmt für Bibellesen und Gebet. Manchmal geht das in der Hektik des Alltags dann leider verloren. Ich möchte gern, dass Gott das Zentrum des Lebens ist. Manchmal verliert man den Blick, den wichtigen Blick aus den Augen und Probleme, Nöte oder anderes sind plötzlich größer als den Blick auf Gott zu richten. Und dann rücken andere mehr in den Fokus, was enttäuschend ist. Das heißt, für mich ist der Glaube das, was mich trägt, was nicht nur mein Leben auf der Bühne trägt, sondern alles was ich mache. Das schöne ist zu wissen, dass ich nicht tiefer fallen kann, als in Gottes Hand, wie ich das immer auf der Bühne sage. Das heißt, wenn ich jetzt beipsielsweise das Wagnis eingehe, dann auch irgendwie als Künstler von der Kunst leben zu wollen, dann weiß ich, dass egal wie es läuft, Gott an meiner Seite bleibt und ich damit nichts zu verlieren habe. Jetzt wo ich gerade die Prüfungen hatte, wusste ich, ich kann beruhigt da rein gehen. Ich lebe mit Gott und habe von daher das Wichtigste in meinem Leben geschafft. Das heißt, er hat sich mir geschenkt. Dann ist eine Prüfung eine Kleinigkeit, die zwar wichtig ist und viel Aufregung mit sich bringt, aber nicht über mein Leben entscheidet. Die große Karriere, das große Geld oder was auch immer die Leute manchmal so als erfüllend ansehen, sind es nicht, wenn das Leben schon erfüllt ist, dann wird das Andere Nebensache.

Was möchtest du unseren Lesern zum Schluss noch mit auf den Weg geben?

Es kommt ja drauf an, was es für ein Leser ist. Also dem Leser, der Gott kennt und mit Gott lebt, kann ich mit auf dem Weg geben: Glückwunsch, das war die beste Entscheidung, die du fällen konntest! Du darfst in guten wie in schlechten Zeiten dich auf Gott verlassen. Und dem, der gerade auf der Suche ist oder noch auf dem Weg zu Gott hin oder vor Gott wegläuft, dann in dem Sinne, es wäre schade, wenn du das Beste in deinem Leben verpasst, wenn du Gott verpasst, wenn du Leben in Freiheit verpasst. Hey, Gott ist nur ein Gebet weit entfernt!





 


Schaut doch mal auf einer seiner Shows vorbei oder besucht ihn mal auf seiner Homepage oder auf Facebook.

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